Klimaschutz, gutes Leben für alle und Wachstumsunabhängigkeit
Worum es beim Workshop ging
Mit diesem Workshop begann unser Austausch mit Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft, um über Klimaschutz mit Blick auf soziale Gerechtigkeit und Wachstumsunabhängigkeit zu sprechen. Unsere Ziele waren:

Einen Dialog starten
Wie kann Klimaschutz sozial gerecht funktionieren – auch ohne Wirtschaftswachstum?

Soziale Ziele
Was braucht es für ein gutes Leben?
z.B. Wohnen, Mobilität, Arbeit und Ernährung

Maßnahmen
Wie können wir ein gutes Leben für alle erreichen?
Welche Maßnahmen sind am dringendsten? Und wie umsetzbar sind sie?
Ein ehrgeiziger Fahrplan
Die Agenda für die Ganztagesveranstaltung sah ein gemütliches Kennenlernen („Was bedeutet für euch ein gutes Leben?“), kulinarische Verwöhnangebote und vor allem interaktive Gruppenarbeiten vor.

Zur Einführung – Projektvorstellung und Begrifflichkeiten
Zu Beginn wurde nicht nur das Projekt vorgestellt, sondern es wurde auch über Begrifflichkeiten diskutiert. Dies führte zu einem ersten spannenden Austausch darüber, ob Wachstumsunabhängigkeit ein relevantes Thema ist. Trotz der Skepsis einiger Teilnehmenden war man sich einig, dass es sinnvoll ist, sich mit Wachstumsunabhängigkeit zu beschäftigen, um besser mit möglichen Zukunftsszenarien von stagnierendem oder negativem BIP-Wirtschaftswachstum umgehen zu können.
Die Präsentation kann hier heruntergeladen werden.
AGrowthPaths-AT_Workshop_Projektvorstellung_Version-fur-WebsiteEine bunte Teilnehmer:innenschaft
Was uns sehr gefreut hat: Unsere 24 Teilnehmenden kamen nicht nur aus vielen Ecken der Gesellschaft – Wissenschaft (6), Zivilgesellschaft (5), Verwaltung (5), Sozialpartnerschaft (4), Banksektor (2) sowie Politik (2) –, sondern hatten auch teils recht unterschiedliche Zugänge zu ökonomischen Denkschulen, wie unsere anonyme Umfrage während des Workshops zeigte (siehe Abbildung unten). Die Begriffsdefinitionen finden Sie in der Präsentation oben (vor allem auf den Seiten 17–18).

Die Degrowth-Denkschule geht davon aus, dass die für die Erreichung von Umweltzielen notwendigen Reduktionen von Material- und Energieflüssen zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in reichen Ländern führen werden. Die Green-Growth-Denkschule hingegen ist der Meinung, dass das BIP-Wachstum von Umweltauswirkungen ausreichend entkoppelt werden kann, d. h., das BIP wächst, während beispielsweise Treibhausgasemissionen gegen Null gehen. Doughnut Economics, Wellbeing Economics sowie AGrowth stehen dem BIP-Wachstum als Indikator hingegen agnostisch gegenüber. Während Doughnut Economics und Wellbeing Economics vor allem alternative Indikatoren(systeme) als Anker anbieten, fokussiert AGrowth vor allem auf Maßnahmen, die konkrete Ziele erreichen.

Zukunftskonferenz
In einer Mini-Zukunftskonferenz tauschten die Teilnehmenden ihre Vorstellungen von einem guten Leben im Jahr 2040 in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Mobilität und Ernährung aus.
Leitfragen waren dabei:
Was gehört zu einem guten Leben?
Was fehlt heute vielen?
Am Ende wurden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt und zusammengeführt.

Visionen aus den Gruppenarbeiten
Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Gruppenarbeiten der Zukunftskonferenz, die von den Teilnehmenden auf Flipcharts festgehalten wurden. Trotz ihrer Unterschiede hatten alle Gruppen ein gemeinsames Ziel: Werte- und Kulturwandel.
Gruppe Arbeit 1

Die wichtigsten Ziele sind hier:
- Soziales Wohlergehen
- Freizeit, Familie, …
- niemand unter der Armutsgrenze
- Wohlstand
- finaniziell & materiell
- Sinnstiftende Arbeit
- von Shareholder zu Stakeholder
- Selbstwirksamkeit & -bestimmtheit
- Freiheit
- so viel wie möglich, so wenig Eingriff wie notwendig
Gruppe Mobilität

Das Hauptziel hier ist: Wege reduzieren, dazu noch:
- Klimaneutrale Mobilität für alle
- Versorgungs- und Verkehrssicherheit erhöhen
- Saubere Luft & Ruhe
- Mehr Platz & weniger Energieverbrauch
Gruppe Arbeit 2

Übergeordner Ziele umfassen:
- Bedürfnissorientierung & Suffizienz
- Kollektive Infrastruktur
- Aus-/Weiter-/Bildung
- Zeitwohlstand
- Freiheit & Stabilität
- Was kann Arbeit?
- sinnvoll, gerecht bezahlt
- Qualität der Arbeit
- Mitbestimmung
- Care-Arbeit
- Anerkennung
Gruppe Ernährung

Im Mittelpunkt steht hier:
- Umweltauswirkungen reduzieren
- v.a. pflanzliche Ernährung
- Regionalität & Produktionsbedingungen
- Wertschätzung erhöhen
- Bildung & Bewusstein
- Kulturwandel
- Verfügbarkeit & Leistbarkeit für alle
Gruppe Wohnen

Hier gilt die Prämisse: soziales und ökologische Wohnen vereinbaren, durch:
- Erhöhung der sozialen Teilhabe
- Reduktion Leerstand
- Kulturwandel
- z.B. kein Traum vom Einfamilienhaus
- Leistbares, gutes Wohnen auf Dauer
- Klimafreundliches Heizen & Kühlen
Maßnahmen – Dringlichkeit und Umsetzbarkeit
Gestärkt durch das Mittagessen und aufbauend auf den Ergebnissen der Zukunftsvisionen widmeten wir uns am Nachmittag der Frage „Wie?”.
Wie können die in der Zukunftskonferenz erarbeiteten Visionen erreicht werden? Dabei sollte, so gut es geht, auch an Klimaschutz und womöglich stagnierendes oder negatives Wirtschaftswachstum in der Zukunft gedacht werden.
Um die Prioritäten zu ermitteln, sollten die Teilnehmenden die Maßnahmen nach Dringlichkeit (Wie wichtig ist die Maßnahme für die Erreichung des Ziels?) und Umsetzbarkeit (Wie leicht ist die Maßnahme technisch, politisch oder gesellschaftlich umsetzbar?) bewerten. Für Maßnahmen, die als dringlich, aber schwer umsetzbar gelten, sollten die Teilnehmenden überlegen, welche vorgelagerten Maßnahmen ihre Umsetzbarkeit erleichtern oder ermöglichen könnten.
Unglaubliche 159 Maßnahmen wurden hier insgesamt vorgeschlagen und evaluiert – mit Teils sehr unterschiedlichen Meinungen und spannenden Diskussionen zwischen den Teilnehmenden. Eine Zusammenfassung davon gibt es im nächsten Abschnitt.
Wie erreichen wir die Visionen?
Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Gruppenarbeiten bzgl. der Maßnahmen, die von den Teilnehmenden auf Flipcharts festgehalten wurden.
Gruppe Arbeit 1

Mit wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise innovativen Unternehmensrechtsformen oder staatlich-privaten Industrieprojekten, sind die meisten der dringlichsten Vorschläge als schwer umsetzbar eingestuft, darunter sektorale Umschichtungen, sozial-ökologische Steuerreformen und die Verteilung von Arbeitszeit. Für deren Umsetzung sind folgende vorgelagerte Maßnahmen empfohlen:
- Neue Zielsetzungen
- Unternehmerische Bildung
- Eine nationale Nachhaltigkeiststrategie
Gruppe Mobilität

Die Priorisierung des ÖPNV ist wichtig und leicht umsetzbar. Ein Großteil der Maßnahmen wird jedoch als dringlich, aber schwer umsetzbar angesehen, beispielsweise die Streichung klimaschädlicher Subventionen oder die Förderung der aktiven Mobilität. Um dies zu erleichtern, wird Folgendes empfohlen:
- Maßnahmen gut kombinieren
- Sinnvoll kommunzieren
- Gute Verhandlungstaktik an den Tag legen
Gruppe Arbeit 2

Der Fokus liegt hier auf der Sicherung von Arbeitsplätzen (z. B. Tätigkeitsbörse, staatliche Green Jobs), dem Zeitwohlstand (z. B. Zeitversicherung, Optionszeitenmodell, lebenslanges Lernen) sowie dem Einkommen und der Anerkennung (z. B. Care-Arbeit und Ehrenamt, gerechtere Lohnverteilung, Normalerwerbsarbeit).
Die Teilnehmenden bewerteten viele Maßnahmen jedoch unterschiedlich (z. B. Arbeitszeit, Stundenlöhne).
Gruppe Ernährung

Maßnahmen bezüglich Ernährung (z. B. Lagerhaltung, Zuckersteuer, Schulfach Kochen, Kennzeichnung), Tierwohl (z. B. Tierwohl als Standard, Verbot der Massentierhaltung) und Erhalt von landwirtschaftlichen Flächen (z. B. Umwidmungsverbot für fruchtbare Böden, Verbot der Flächenversiegelung) dominieren.
Um die Umsetzung vieler dieser Maßnahmen zu erreichen, sollte eine Kostenwahrheit (vor allem bei Fleisch) hergestellt und Anpassungen in der Raumplanung vorgenommen werden (zum Beispiel durch eine Grundsteuerreform oder die Übertragung von Kompetenzen).
Gruppe Wohnen

Hier ist die Umsetzbarkeit vieler Maßnahmen als mittel bis schwer einzustufen. Als vorgelagerte Maßnahmen werden daher folgende empfohlen
- Pflicht zur Warmmiete
- Bundesweites Boden-Spar-Ziel
- Leerstandsabgabe
- Gute Kommunikation
- Transparente Kosten
- Wohnungsmarktservice
Wie geht es weiter?
Die Ergebnisse des Workshops fließen nun in die Entwicklung der Szenarien für unsere Analysen ein, die wir mit unseren volkswirtschaftlichen Modellen durchführen werden.
Dabei wollen wir Ihnen die Szenarienentwürfe zurückspielen und Ihre Meinung zu Indikatoren (z. B. Mindest-Haushaltseinkommen) und Maßnahmen (z. B. Progressivität der Lohnsteuer) einholen.
Diese Umfragen werden wir im Herbst an alle Interessierten verschicken.
Im nächsten Jahr laden wir dann zu einem Abschlussworkshop ein, bei dem wir das Thema Wachstumsunabhängigkeit stärker in den Fokus rücken werden.
- Welche Maßnahmenpfade erweisen sich als wachstumsunabhängig?
- Können Klima- und soziale Ziele auch bei stagnierendem oder negativem Wirtschaftswachstum erreicht werden?
- Welche Zielkonflikte bleiben möglicherweise bestehen?
- Und wie können wir diese Maßnahmen politisch und gesellschaftlich umsetzen?
Am Ende: Danke…
… für die spannenden Diskussionen, die zahlreichen Vorschläge und Ideen sowie Ihr Durchhaltevermögen bis zum Schluss.
Wir waren alle sehr beeindruckt von Ihrer Expertise und den Ideen, die Sie in den Workshop eingebracht haben.